Der Tanz um die Konversion

Geehrte Leserinnen und Leser!

In den letzten Wochen gab es zwei Vorfälle, nach denen, meist von nicht Betroffenen, darüber debattiert wurde, wer denn nun Jude oder Jüdin sei, und wer Muslim respektive Muslima. Zuallererst die unsägliche Debatte zwischen Maxim Biller, den ich zugegebenermassen schätze, und Max Czollek darüber, wer Jude sei, Spoiler-alert: Max Czollek ist es trotz eines jüdischen Grossvaters nicht, und nun das Attentat von Kongsberg/Norwegen, bei dem ein Mann mit ernsthaften psychischen Problemen, der zuerst damit aufgefallen ist, seinen eigenen Verwandten mit Mord zu drohen, zum Islam konvertiert ist und dann fünf Menschen mit Pfeil und Bogen ermordet hat.

Nun fällt mir etwas auf: Die Menschen, die Max Czollek aufgrund eines jüdischen Grossvaters als Jude sehen, sprechen dem Dänen, der in Norwegen Menschen ermordet hat, ab, Muslim zu sein. In beiden Fällen handelt es sich aber um Menschen, die weder selber Juden sind, noch sich in irgendeiner Form mit dem Islam auskennen, denn es ist nunmal so, dass es, sowohl für die Konversion zum Judentum respektive wer als Jude oder Jüdin anerkannt wird, bestimmte Regeln gibt und die sind nunmal: Entweder man ist Kind einer jüdischen Mutter und gehört keiner anderen Religion an, sprich ist nicht getauft etc., oder man konvertiert nach den Regeln der Halacha, dem jüdischen Religionsgesetz. Dasselbe gilt für den Islam, auch dort gibt es gewisse Regeln, wer als Muslim oder Muslima gilt, sprich ein Kind eines muslimischen Vaters oder jemand, der nach den Regeln des Islams konvertiert ist.

Nun aber, aufgrund des Antisemitismus, den ein Max Czollek wegen seiner jüdischen Herkunft eventuell hat erdulden müssen, ihn zu einem Juden zu erklären, ist meiner Meinung nach falsch. Das hilft nicht gegen Antisemitismus, der so oder so irrational ist, und sich nicht darum schert, ob jemand wirklich jüdisch ist, um diese Person zu hassen und ihr Tod und Teufel an den Hals zu wünschen, oder aktiv dafür zu sorgen, dass Juden zu Schaden kommen. Hinzu kommt: Wir Juden und Jüdinnen haben schon eine lebhafte Debatte dieser Tage, wer als jüdisch zu gelten hat, wir brauchen diesen Impuls von aussen nicht, und ganz ehrlich, diese Debatte um Biller/Czollek kam mir etwas paternalistisch vor und teilweise gar antisemitisch, als mir plötzlich atheistische Ex-Christen meinten erklären zu müssen, wer  jüdisch ist und meine Einwände mit den Nürnberger Rassegesetzen verglichen.

Ja, es ist mir bewusst, wenn auch nicht aus eigener Erfahrung, dass ein Giur, eine Konversion zum Judentum nicht leicht ist, aber die Tatsache, dass auch in Deutschland, in Österreich, in der Schweiz und auch in anderen Ländern  regelmässig Menschen zum Judentum konvertieren können, spricht für die Tatsache, dass die Gesetze der Halacha alles andere als Nazi-Gesetze zum Schutz des arischen Blutes sind, sondern dafür sorgen, dass nur Menschen zum Judentum konvertieren, denen bewusst ist, was sie da tun, und die nicht geistesschwach sind und statt göttlichem Beistand dringend professionelle Hilfe in Form eines Psychiaters oder einer Psychiaterin brauchen. Dies wird sichergestellt, indem durch den ganzen Konversationsprozess, der teilweise 15 Jahre in Anspruch nehmen kann, ein Rabbiner oder in konservativen und liberalen Gemeinden eine Rabbinerin immer zur Seite steht und darauf achtet, dass die Person, die konvertieren will, salopp gesagt, alle Tassen im Schrank hat und nicht droht, Verwandte zu ermorden und im Endeffekt ein Fall für die Behörden zu werden.

Was mich zum Attentat von Kongsberg bringt. Offensichtlich ist man in der Ummah nicht ganz so strikt bei der Konversion, wie es mein Völkchen ist, und das ist Fakt, selbst bei Wikipedia steht, dass man nur drei Mal die Shahada, das islamische Glaubensbekenntnis, vor zwei erwachsenen, muslimischen Männern aufsagen muss, um selber als Muslim respektive Muslima zu gelten. Ob jemand geistesschwach ist, spielt offenbar keine Rolle. Nun hat der Attentäter von Kongsberg das getan und nun sprechen jene, die mir attestieren, Nazi-Gesetze zu verteidigen, weil ich klarstellte, dass nach jüdischer Ansicht Max Czollek nicht als Jude gilt, dem Attentäter ab, Muslim zu sein. Notabene: Keiner dieser Menschen hat jüdische Theologie oder islamische Jurisprudenz studiert oder sich mit der Halacha beschäftigt oder auch nur mit einem Rabbiner, einer Rabbinerin oder einem Imam gesprochen. Aber man lässt sich nicht durch Fakten verwirren, wenn es darum geht, Juden und Jüdinnen auf die Nerven zu gehen und Terrorismus zu relativieren.

Nun möchte ich nicht auf Menschen einschlagen, die tatsächlich psychische Probleme haben, die habe ich nämlich auch, aber als Jüdin finde ich, dass Religionsgesetze nicht plötzlich aufhören zu existieren, nur weil diese so lax sind, dass jemand mit psychischen Problemen zu einer Religion konvertieren und dann ein Gemetzel anrichten kann. Das ist ein Problem jener Religion, dass die Gläubigen lösen müssen und da hilft Relativismus nicht im Geringsten. So wie wir Juden und Jüdinnen, leider auch aufgrund des Holocausts, eine Debatte haben, wer warum als jüdisch gilt und wer weshalb nicht.

Es ist meiner Meinung nach grotesk, wenn Menschen, die weder muslimisch noch jüdisch sind und keine Ahnung haben, wie die Religionsgesetze in besagten Glaubensrichtungen sind, sich die Realität nach ihrem Wunschdenken zurechtzubiegen versuchen, um sich ihrer eigenen Selbstgerechtigkeit hingeben zu können und Terrorismus zu relativieren. Damit hilft man niemandem und nervt nur andere Menschen, insbesondere Juden und Jüdinnen wie mich. Es werden auch keine notwendigen Debatten geführt, sondern Diskussionen im Keim erstickt. Es ist ein Tanz um die Konversionen anderer Religionen, von Unbeteiligten.

Summa summarum: Max Czollek ist meiner Meinung nach und der Halacha, dem jüdischen Religionsgesetz, kein Jude. Und nein, die Halacha ist wirklich nicht dasselbe wie die Nürnberger Gesetze zum Schutz des arischen Blutes. Ich kann immer noch nicht glauben, dass ich das schreiben muss! Der Attentäter von Kongsberg hingegen ist ein Mann, der zum Islam konvertierte und der schon davor ernsthafte Probleme hatte. Des Pudels Kern ist also hier, dass ein Mann, der offensichtlich davor schon nicht ganz bei Trost war, konvertieren konnte und niemand daran dachte, ihn unter die Fittiche zu nehmen oder nach den Gründen für die Konversion zu fragen. Dass man das nicht getan hatte, führte meiner Ansicht nach dazu, dass das Attentat in Kongsberg Realität werden konnte.

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Der Modus Operandi gescheiterter Imperien

Geehrte Leserinnen und Leser!

Es ist mal wieder an der Zeit, dass meine Wenigkeit ein paar Zeilen zum Iran und Russland in die Tasten haut! Warum, werden Sie gewiss fragen und die Antwort darauf ist so simpel wie kurz: Weil das Verhalten dieser beiden gescheiterten Imperien mich frustriert.

Es ist nämlich so, dass selbst in Russland die Behörden nicht verheimlichen können, dass täglich um die 1000 Menschen elendig an Covid krepieren, was die Herrschaften im Kreml natürlich nicht daran hindert, weiterhin Grossmacht zu spielen. Dasselbe in Grün im Iran: Dort ist Covid auch kaum unter Kontrolle und Teile des Iran könnten in naher Zukunft durch die Wasserkrise unbewohnbar werden, aber nachdem Teheran den Libanon durch seinen Proxy, die Hisbollah, zu einem gescheiterten Staat gemacht und sich durch Syrien gemordet hat, richtet sich der Blick der Mullahs und Revolutionsgarden nun auf den Kaukasus.

Diese Tatsache, dass selbst Katastrophen wie eine anhaltende Wasserkrise oder das Missmanagement einer globalen Pandemie diesen Ländern nicht etwas Demut eintrichtern können, ist der Teil, der mich, als jemanden der Wurzeln im Kaukasus hat, nämlich in Georgien, frustriert. Dass man stattdessen in besagten Staaten nach einem Sündenbock sucht, gehört ganz offensichtlich zum Modus Operandi dieser gescheiterten Imperien. In Russland gibt der Vox populi den Sanktionen die Schuld, dass die russischen Bürgerinnen und Bürger nur russischen Impfstoff wie «Sputnik» zur Verfügung haben, und wer hinter den Sanktionen steckt, sind nach Ansicht vieler Russinnen und Russen die üblichen Verdächtigen, nämlich «Gayropa», die USA und die Juden. Im Iran ist man hingegen, das betrifft sowohl das Regime wie auch die Opposition beleidigt über den Verlust des Kaukasus, zuerst unter den Sassaniden und später durch die Verträge von Golestan und Turkmanchay an das Russische Reich.

Und das führt uns zu einem anderem Modus Operandi dieser Länder: Irredentistischer Grössenwahn, sprich man gönnt den Nachbarn in der Region, den Ex-Kolonien, die man in vergangenen Tagen beherrscht hat, die Butter auf dem Brot nicht und will den Menschen dort das Leben zur Hölle machen. Der Grund für dieses Verhalten ist bei den Herrschaften im Kreml in Moskau wie auch bei den Mullahs und Revolutionsgarden in Teheran der Gleiche: Eine Kränkung aufgrund des Auseinanderfallens ihrer Imperien in Kombination mit dem Wunsch, es den Menschen dort heimzuzahlen nach dem Motto: Wenn ich schon nichts Gutes habe, dann sollen auch andere Menschen leiden müssen. So ist es kein Wunder, dass Staaten wie Russland und Iran ausserhalb von grossen Zentren wie Moskau, St.Petersburg, Teheran und Isfahan immer mehr zu Entwicklungsländern verkommen, während die Herrscherklasse sich nach dem Ruhm vergangener Tage sehnt, und das ist des Pudels Kern: Staaten wie Russland und der Iran sind, das muss man den Leuten eintrichtern, die Rechtsnachfolger gescheiterter Imperien, und das Verhalten, das der besagte Modus Operandi, dass man lieber die Region in Brand steckt, anstatt zuzulassen, dass Nachbarstaaten zu halbwegs funktionierenden Demokratien werden können, und man sich in Teheran und Moskau mit dem Lösen von eigenen Problemen begnügt, diesem Fakt geschuldet ist. Solange sich aber Staaten wie der Iran und Russland nicht als moderne Rechtsstaaten neu erfinden, wird weiterhin die Gefahr bestehen, dass deren Nachbarstaaten als Kollateralschaden des Grössenwahns des Kremls und Mullah-Regimes enden. Darum ist es imperativ, dass man zumindest das Narrativ von Moskau und Teheran nicht gelten lässt, deren Nachbarstaaten in der Region unterstützt und Teheran und Moskau endlich effektiv sanktioniert.

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