Kinder haben keine Lobby

Geehrte LeserInnen!

In den letzten Monaten wurden einige sehr brutale Skandale in Zusammenhang mit Kindesmissbrauch publik. Zu dem an sich schon widerlichen und durch nichts zu entschuldigenden Kindesmissbrauch kamen oft schlampige Ermittlungen und/oder Gleichgültigkeit von Behörden wie etwa dem Jugendamt hinzu. So im Falle der vermissten Madeleine McCann und dem deutschen Tatverdächtigen, der, wie man in der «Zeit» lesen konnte, aufgrund der Tatsache, dass ihn die Polizei praktisch vorgewarnt hat, genug Zeit gehabt hat, um eventuelle Spuren zu vernichten. Oder beim Pädophilen-Netzwerk in Münster mit dem Fakt, dass ein Stiefvater mit Kinderpornographie gehandelt hat, weshalb das Jugendamt schon seit 2015 in Kontakt mit der Familie war und man doch bis heute untätig geblieben ist.

So zynisch das auch klingt, aber mich überrascht das nicht. Kinder haben in unseren Breitengraden keine Lobby. Meist werden Kinder als verzogene Gören oder gar als «Problemfall» dargestellt, trotz der Tatsache, dass viele Kinder schlicht und ergreifend ganz normale Kinder sind, die manchmal nerven. Aber sonst keine Probleme machen. Des Weiteren wird ignoriert, dass, wenn Kinder Probleme machen oder Probleme haben, diese vielfach auf die Erziehungsberechtigten zurückzuführen sind. Sprich auf die Leute, die selber erwachsen sind, diese Kinder zuerst haben wollten und dann bei der Erziehung eben dieser Kinder massiv versagen.

Ich weiss, wovon ich rede: Meine alkoholkranke Mutter hat mich als Kind wegen Nichttigkeiten geschlagen, wie zum Beispiel, wenn mir Bücher aus der Hand gefallen sind oder ich sonst tollpatschig war. Ich bin jetzt eine fast dreissigjährige Frau und weiss, dass die Situation nicht wirklich besser geworden ist, weder in der Schweiz, wo ich lebe und mehrheitlich aufgewachsen bin, noch in Deutschland. Letzteres dank der Lektüre von Dr. Michael Tsokos grossartigem Buch «Deutschland misshandelt seine Kinder». Ein Buch, das ich wirklich jedem, der lesen kann, ans Herz lege.

Denn noch immer hängt das körperliche und seelische Wohlbefinden oder effektiv gar das physische Überleben von Kindern davon ab, wie engagiert die Sachbe- und Sozialarbeiter beim Jugendamt sind und nicht von der eigentlichen Schwere der Misshandlungen und des Missbrauchs, dem Kinder und Jugendliche ausgesetzt sind. Hinzu kommt der immer noch unter Küchenpsychologen verbreitete Spruch «Was einen nicht umbringt, macht einen stärker», der jahrelange Forschung in Bezug auf Trauma, Missbrauch und posttraumatische Belastungsstörungen zur Seite wischt. Nicht nur werden so Forschung und Wissenschaft ignoriert, man gibt sich so dem Sozial-Darwinismus hin und erklärt das überleben einer der schwächsten Gruppe innerhalb unserer Gesellschaft zu etwas Schicksalhaftem, über das man keine Kontrolle hat oder haben will.

Wie gesagt, ich will nicht zynisch klingen, doch es ist genau dieses Laissez-faire und Laissez-aller der Behörden, das mich diese Zeilen so und nicht anders schreiben lässt. Denn seien wir ehrlich, die letzten Jahre haben in Bezug auf Kinderschutz kaum Fortschritt gebracht und die ganzen Missbrauchsfälle, die jetzt an die Öffentlichkeit gelangen, sind nur die traurige Spitze des Eisbergs. Solange sich die Einstellung von Erwachsenen gegenüber Kindern, besonders von Kindern in einer kritischen oder gefährlichen Umgebung, nicht ändert, wird es auch in Zukunft weiterhin solche Missbrauchsfälle geben und man wird für eine Weile entsetzt sein und sich dann anderen Themen zuwenden. Denn genau so kenne ich es vom Antisemitismus. Das ist aber eine andere Geschichte…

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Halle und was man daraus nicht gelernt hat

Geehrte LeserInnen!

Wie verschiedene Medien berichtet haben, ist es Stephan Balliet, dem Attentäter von Halle, fast gelungen, aus dem Untersuchungsgefängnis «Roter Ochse», das mitten in der Stadt Halle liegt, auszubrechen. Für gut 5 Minuten konnte sich der Attentäter frei innerhalb des Gefängnisses bewegen und nur die Tatsache, dass eine Türe verschlossen war, hinderte ihn an der weiteren Flucht.

Nun mögen einige Menschen überrascht über die Schlamperei sein. Ich bin es nicht! Man möge mir meine vulgäre Sprache in den folgenden Zeilen verzeihen, aber ich bin der Ansicht, dass viele Mitarbeiter verschiedener Nachrichten- und Sicherheitsdienste in Europa nicht einmal eine Möse in einem Bordell finden würden und zwar selbst dann, wenn eine Dame aus dem ältesten Gewerbe der Welt sich mitten auf ihr Gesicht setzen würde. Deshalb würde meine Wenigkeit es als Glücksfall einschätzen, dass den Behörden der Attentäter nicht entwischt ist, so nachlässig und unprofessionell wie sie arbeiten.

Deshalb überrascht mich auch nicht, dass deutsche Behörden mit Männern wie Anis Amri und Stephan Baillet komplett überfordert sind und ihnen diese Gestalten deshalb (fast) durch die Finger flutschen. Deutsche Behörden haben offensichtlich sehr naive Vorstellungen von Attentätern und stellen sich diese wohl als missverstandene Eierdiebe vor. Anders ist diese fast schon kriminelle Nachlässigkeit angesichts von radikalisierten Gewalttätern für mich nicht zu erklären.

Aber nicht nur im Umgang mit Attentätern ist man im Herzen Europas nachlässig bis zur Fahrlässigkeit. Wie Max Privorozki, der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Halle, eine Gemeinde die durch Kontingentsflüchltlinge aus der ehemaligen Sowjetunion, die vom Antisemitismus dort geflüchtet sind, entstanden ist, berichtet hat, ist selbst heute, mehr als ein halbes Jahr nach dem Anschlag auf die Gläubigen an Jom Kippur, die Situation in Bezug auf die Sicherheit alles andere als berauschend. Verschiedene Medien zitierten ihn: “Wir haben – das sage ich in aller Offenheit – noch nicht den Status der Sicherheit erreicht, der leider notwendig wäre. Da ist noch einiges zu tun und zu verbessern, damit wir als Gemeinde uns ausreichend geschützt fühlen.”

Es ist meiner Ansicht nach extrem nachlässig und verantwortungslos von den Behörden, nach so einem Attentat immer noch die Sorgen der jüdischen Gemeinde in Halle und anderswo in Bezug auf Sicherheit nicht ernst zu nehmen. Zumal, wie die «Jüdische Allgemeine» berichtet hat, die Synagogengemeinde einen Drohbrief erhielt und vor der jüdischen Gemeinde Halle ein Hakenkreuz abgelegt wurde.

Die geradezu grobe Fahrlässigkeit in Bezug auf die Sicherheit von jüdischem Leben in Deutschland ist in meinen Augen auch unverschämt. Der jetzige deutsche Aussenminister Heiko Maas sagte einst, dass jüdisches Leben im heutigen Deutschland «ein unverdientes Geschenk» sei. Ich fürchte, weder Herr Maas selber noch vielen Deutschen, insbesondere jenen, die bei den Sicherheitsbehörden arbeiten, ist dies richtig bewusst, was es mit der Präsenz von jüdischem Leben in der Bundesrepublik heute aufsich hat. Anders kann ich mir diese ganze Situation, wie zum Beispiel dem Unwillen, aus dem Attentat von Halle die richtigen Schlüsse zu ziehen und jüdisches Leben in Halle und in Rest-Deutschland zu schützen, die meiner Meinung nach, immer mehr zu einer Farce verkommt, nicht erklären.

Oder doch, eine andere Erklärung für die jetzige Situation habe ich schon, aber diese ist noch verstörender als die Erklärung der schlichten Ignoranz und Indifferenz der deutschen Mehrheitsgesellschaft und der deutschen Sicherheitsbehörden für die Sorgen von uns Juden in Bezug auf unsere Sicherheit im Herzen Europas. Diese Erklärung von mir besagt, dass die Nachlässigkeit, Ignoranz und Indifferenz der deutschen Behörden in Bezug auf die Sicherheit von jüdischem Leben ein Wink mit dem Zaunpfahl ist, wonach die nicht-jüdische Mehrheitsgesellschaft unserer Präsenz überdrüssig ist und deshalb gleichgültig gegenüber unseren Sicherheitsanliegen.

Die zweite Erklärung verstört selbst mich, die von anderen Menschen gerne als zynisch beschrieben wird. Darum hoffe ich doch, dass diese Erklärung nicht wahr ist und das jetzige Versagen der deutschen Sicherheitsbehörden primär auf Ignoranz und Naivität fusst und nicht durch ein antisemitisches Ressentiment gespeist wird, und dass die Behörden im Herzen Europas lernen, Sorgen von Juden ernst zu nehmen. Wenn nicht, so wäre es für Juden in Deutschland wirklich an der Zeit, die Koffer zu packen bevor es zu spät ist.

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