Was ist Antisemitismus?

RIAS, die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus in Berlin und andere Organisationen haben ihre Berichte vorgelegt, besagte Berichte bestätigen, was wir Juden seit Langem befürchten: Antisemitismus nimmt immer mehr zu. Für viele Nicht-Juden bleibt aber Antisemitismus etwas Abstraktes und wird deshalb ignoriert, deshalb schildere ich hier, was ich als Jüdin, als Antisemitismus empfinde.

Nun, was ist Antisemitismus?

Antisemitismus ist, wenn grundseriöse Organisationen, wie die oben genannte RIAS ihre Berichte über den sich epidemisch ausbreitenden Antisemitismus vorstellen und schon raunen irgendwelche Nicht-Juden «Ja, aber Kritik an Israel muss möglich sein» und versuchen somit Antisemitismus zu relativieren. Als ob es noch um sogenannte Israelkritik gehen würde und nicht zum Beispiel darum, dass Menschen, die Kippot in der Öffentlichkeit tragen am helllichten Tage mit dem Gürtel gezüchtigt wurden.

Antisemitismus ist, wenn mich erwachsene, gebildete Menschen mit Universitätsdiplomen fragen, weshalb wir Juden noch Blut von nicht-jüdischen Kindern für Matzot verwenden, oder mir eine «jüdische Nase» attestieren wollen. Oder den Antisemitismus, welchen ich erlebt habe, versuchen zu relativieren, in dem sie mir eine Mitschuld darangeben. weil ich mich nicht für den Ausgang der Schlacht von Kerbala entschuldigt habe, oder weil besagte, gebildete Menschen, allen Ernstes meinen das Rippenbrüche und Sachbeschädigungen ein Zeichen von pubertäreren Jungs gewesen seien, die ihre Gefühle mir gegenüber nicht richtig formulieren konnten.

Antisemitismus ist, wenn Radikale sämtlicher Couleur uns Juden und/ oder etwas nur vermeintlich Jüdisches, als Fussabtreter benutzen wollen.

Antisemitismus ist, wenn mir Menschen allen Ernstes sagen, das Juden «die neuen Nazis seien», weil wir Juden, wahlweise, geschächtetes Fleisch essen, keine Veganer sind oder wegen dem Nahostkonflikt oder gar wegen 9/11. Darüber schrieb die mit dem syrischen Regime assoziierte Zeitung Al-Thawra, dass die Attentate auf das World Trade Center und das Pentagon ein Inside-Job der Amerikaner und Israelis gewesen sei und deshalb, angeblich, nur ein Jude im World Trade Center starb. Tatsächlich wurden bis zu 500 Juden, darunter ein Israeli, getötet damit waren fast 17% aller Opfer der Anschläge vom 11. September jüdisch. Trotz solcher harten Fakten, hielten 2008 43% der Ägypter, 31% der Jordanier und 19% der sogenannten Palästinenser Israel für die Urheber der Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon. Natürlich versucht man, bis heute, solchen Wahn zu rationalisieren, in dem man zum Beispiel behauptet, dass die Anschläge vom 11. September an einem Schabbat geschehen sind und angeblich deshalb keine oder kaum jüdische Opfer gegeben hat. Dies obwohl 9/11 ein Dienstag war und ein Schabbat, komme was wolle, immer an einem Freitagabend beginnt und am Samstagabend endet. Diese Tatsachen, die sich auch mit harten Fakten kaum, oder gar nicht bekämpfen lassen, führen dazu, dass ich, als Jüdin in der Diaspora, mich als Kämpferin auf verlorenem Posten fühle.

Aufgrund des Antisemitismus müssen in Deutschland seit 1972 Synagogen und andere jüdische Einrichtungen 24/7 von der Polizei bewacht werden. Kaum eine jüdische Einrichtung in West- und Mitteleuropa kommt noch ohne Panzerglas und dergleichen aus. In Europa müssen wir Juden wieder um unser Leben fürchten. Trotzdem ist die Mehrheitsgesellschaft Antisemitismus gegenüber, bestenfalls, gleichgültig. Dies, wiederum, führt dazu, dass Antisemitismus weiterwachsen und gedeihen kann. Das ist Antisemitismus im Europa des Jahres 2018.

Verschwörungstheorien und der 11. September

Meine Damen und Herren!

Wussten Sie, dass der 11. September der Tag der Verschwörungstheorien ist? Eigentlich ist das traurige Ironie, wenn man bedenkt, wie viele Verschwörungstheorien es um das Attentat auf das World Trade Center und das Pentagon gibt.

Aber um ganz ehrlich zu sein: Mich wundern VT schon lange nicht mehr, nach dem mir genug gebildete Menschen begegnet sind, die ernsthaft glauben, dass wir Juden Matzot, unser ungesäuertes Brot, aus dem Blut von nicht-jüdischen Kindern machen würden. Aber das ist noch nicht die bizarrste Verschwörungstheorie, die ich über unser kleines Völkchen mitbekommen habe, besonders viele Menschen aus Osteuropa und dem Nahen- und Mittleren Osten, glauben allen Ernstes, das wir Juden Hörner haben. Viele russischsprachige Menschen glauben mir oft nicht, dass ich Jüdin bin, weil ich ganz offensichtlich keine Hörner habe. Auch ein schiitischer Hazara aus Afghanistan, mit dem ich ein paar Dates hatte, glaubte daran, dass alle Juden Hörner haben und ich demzufolge keine Jüdin sein könnte. Dabei weiss doch jedes Kind, das nur Ron Perlman als «Hellboy» Hörner trägt. Aber Spass beiseite: Beide Verschwörungstheorien, sowohl die Ritualmordlegende, wie auch die Sache mit den Hörnern können erklärt und aufgeklärt werden. Die Ritualmordlegende wurde von christlichen Judenhassern erfunden, um uns Juden über Jahrhunderte zu verleumden. Während der Sache mit den Hörnern ein simpler Übersetzungsfehler zugrunde liegt, der uns Juden noch Jahrhunderte heimsucht. Als die fünf Bücher Mose zum allerersten Mal in eine Fremdsprache, in den griechischen Koine-Dialekt, übersetzt wurden, verwechselte der damalige Übersetzer das hebräische Wort «Zohar» (dt: Glanz) mit dem Wort für Horn, «Schofar» und somit war eine weitere Verschwörungstheorie gegen mein Völkchen geboren, ob aus Unachtsamkeit, oder Ignoranz, heute weiss man es nicht. Was man hingegen weiss: Spätere Übersetzungen, wie die Lutherbibel oder in die King James-Bibel im angelsächsischen Raum, hatten diese Verwechslung/ diesen Fehler nicht mehr. Aber da war es schon zu spät, denn: «Eine Lüge ist bereits dreimal um die Erde gelaufen, bevor sich die Wahrheit die Schuhe anzieht.» Und das führt dazu, das man fast etwas resigniert im Kampf gegen Verschwörungstheorien.

Aber zurück zu den Verschwörungstheorien um den 11. September, die auch vielfach antisemitisch gewürzt sind. Zum Beispiel schrieb die mit dem syrischen Regime assoziierte Zeitung Al-Thawra, dass die Attentate auf das World Trade Center und das Pentagon ein Inside-Job der Amerikaner und Israelis gewesen sei und deshalb, angeblich, nur ein Jude im World Trade Center starb. Tatsächlich wurden bis zu 500 Juden, darunter ein Israeli, getötet damit waren fast 17% aller Opfer der Anschläge vom 11. September jüdisch. Trotz solcher harten Fakten, hielten 2008 43% der Ägypter, 31% der Jordanier und 19% der sogenannten Palästinenser Israel für die Urheber der Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon. Natürlich versucht man, bis heute, solchen Wahn zu rationalisieren, in dem man zum Beispiel behauptet, dass die Anschläge vom 11. September an einem Schabbat geschehen sind und angeblich deshalb keine oder kaum jüdische Opfer gegeben hat. Dies obwohl 9/11 ein Dienstag war und ein Schabbat, komme was wolle, immer an einem Freitagabend beginnt und am Samstagabend endet. Diese Tatsachen, die sich auch mit harten Fakten kaum, oder gar nicht bekämpfen lassen, führen dazu, dass ich, als Jüdin in der Diaspora, mich als Kämpferin auf verlorenem Posten fühle. Zu guter Letzt frage ich mich, wie es möglich ist, in unserer Welt Verschwörungstheorien wirksam zu bekämpfen, wo selbst solch bizarre Verschwörungstheorien, wie die Ritualmordlegende in gewissen Kreisen Urstände feiert?! Wie kommt man gegen etwas an, dass sich so ins kollektive Bewusstsein von Menschen eingebrannt hat? Ich habe darauf, leider, keine Antwort und wünschte doch, auch meinetwillen, eine Antwort zu kennen.