Ein Nachtrag zu «Die Revolutionen in Ex-Sowjetstaaten und der Kreml»

Geehrte LeserInnen!

Mich freut es sehr, wenn mein Blog gelesen wird und man mir Anmerkungen und Ratschläge zu meiner Schreibe gibt, aber Kritik, wonach ich zu naiv sei und dass meine Vorhersage, dass dem post-sowjetischen Raum weitere «Farbenrevolutionen» und generell Proteste gegen den Status quo bevorstehen, deshalb nicht stimmen könne, lasse ich nicht gelten.

Zuallererst: Man muss sich immer wieder zu Gemüte führen, dass Putin nun auch schon 68 Jahre alt ist, der Mann wird nicht jünger und ist auch nicht unsterblich, daran können weder Botox noch die Tatsache, dass der Mann nun Abstinenzler ist, etwas ändern. Wie ich schon in meinem vorherigen Beitrag geschrieben habe, weigert sich der KGB-Zwerg, einen Nachfolger aufzubauen aus Angst davor, geschasst zu werden wie anno dazumal Chrustschow. Dies trotz der Tatsache, dass der KGB-Zwerg bald länger an der Macht ist als es Stalin war. Aber wie gesagt, weder der «Vozhd» noch Putin sind und waren unsterblich.

Gerade deshalb ist es wichtig, dass man aufhört, die Staaten, die früher unter dem Joch des Sowjet-Imperiums und russischen Chauvinismus waren, stiefmütterlich zu behandeln, und stattdessen den KGB-Zwerg und seine Handlanger wie zum Beispiel den Kolchose-Diktator von Belarus, Alexander Lukaschenko, effektiv sanktioniert. Zumal jetzt auch die EU Lukaschenko nicht mehr als legitimen Präsidenten von Belarus ansieht. Es wäre deshalb wichtig, dass sich die EU und andere zivilisierte Staaten nicht zum Papiertiger degradieren lassen und endlich Zähne zeigen. Letzteres ist besonders wichtig! Es ist von elementarer Bedeutung, dass Lukaschenko auf der Müllhalde der Geschichte landet und in Belarus endlich die Todesstrafe abgeschafft wird!

Ich muss immer wieder daran erinnern, dass Belarus immer noch das letzte Land Europas ist, indem die Todesstrafe vollstreckt wird, und zwar per Genickschuss. Das heisst, Menschen wie die mutige Oppositionsaktivistin Maria Kolesnikowa sind in Gefahr, hingerichtet zu werden, vom letzten Regime Europas, indem man sich nicht schämt, seine eigenen Bürger und Bürgerinnen zu meucheln. Darum ist es für mich so enorm wichtig, was derzeit in Belarus passiert. Gerade auch, weil Belarus, im Gegensatz zum Beispiel zu Georgien und der Ukraine, die sagen wir es mal so, eine etwas aggressivere Debattenkultur und generell eine temperamentvollere politische Kultur haben, die etwas ruhigeren und generell homogeneren Bürger und Bürgerinnen hat.

Dass nun seit mehr als sechs Wochen in Belarus demonstriert wird, gibt mir deshalb Hoffnung für die Ex-Sowjetstaaten generell, denn wenn sich der Kolchose-Diktator Lukaschenko nicht halten kann, sieht es auch in Zukunft schlecht aus für andere Autokraten und Despoten von Putins Gnaden. Darum war mein letzter Beitrag auch nicht von Naivität, sondern von Tatsachen geprägt wie zum Beispiel der Tatsache, dass die «Farbenrevolutionen», die in den vergangenen Jahren in Ex-Sowjetstaaten stattfanden, diese Staaten, im Grossen und Ganzen, positiv veränderten. In Georgien wurde die Todesstrafe abgeschafft und die Korruption wird bekämpft. In der Ukraine wurde ein russischsprachiger Jude durch demokratische und faire Wahlen zum Präsidenten gewählt und ethnische und religiöse Minderheiten wie zum Beispiel Krim-Tataren, sind nun in der Öffentlichkeit und im politischen Leben stärker repräsentiert.

All das sollte auch Ihnen, meine geehrten Leser und Leserinnen, Anlass zur Hoffnung geben. Anstelle dessen sehe ich leider vielfach Bitterkeit und Resignation, mit den dazugehörigen Relativierungen der Machenschaften des KGB-Zwergs und seiner Statthalter. Auch wird mir gerne «Russophobie» oder gleich Rassismus gegenüber Russen und Russinnen vorgeworfen. Als ob mich die Kritik am russischen Chauvinismus und den imperialistischen Abenteuern des Kremls zur Rassistin machen würde, und nicht das barbarische und grausame Verhalten des Kremls gegenüber den regionalen Nachbarn Russlands. Fragen Sie mal, wie sich die gut 300 000 georgischen Staatsbürger und Staatsbürgerinnen fühlen, die aufgrund von Moskaus Proxys zu Binnenflüchtlingen geworden sind, oder die Krim-Tataren und Krim-Tatarinnen, die aufgrund der russischen Okkupation der Krim schon wieder entrechtet werden. Von denen hört man kaum was, stattdessen erkundigt man sich konstant nach den Befindlichkeiten der Machthaber in Moskau und sieht die Herrschaft des KGB-Zwergs und seiner Vögte und die damit einhergehende Barbarei als eine Art Folklore an.

Aber um positiv zu schliessen: Wie gesagt, wenn schon in Belarus gegen den Kolchose-Diktator, der immer mehr zu einer Karikatur seiner selbst verkommt und schon davor das wandelnde Klischee eines Diktators in der ehemaligen Sowjetunion gewesen ist, seit über einem Monat unermüdlich demonstriert wird, dann sieht die Zukunft besser aus, als es viele meinen. Das sollten wir uns immer wieder vor Augen führen, geehrte und geschätzte Leser und Leserinnen.

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Mein Senf zu Belarus: Der «Maidan» nun auch in Minsk, Gomel und Brest.

Geehrte LeserInnen!

Trotz der Covid-19-Pandemie und allem anderen Wahnsinn: Als jemand, der Wurzeln im post-sowjetischen Raum* hat, kann ich es mir nicht verkneifen, zu den Ereignissen in Belarus meinen Senf dazuzugeben. Vor allem, da einige meiner treuen Blog-Leser sich darüber echauffierten, nicht meinen Artikel bei der «Jüdischen Rundschau» lesen zu können, da dieser hinter einer «Pay-Wall» ist.

Zuallererst amüsiert mich, wie viele Autokraten und Diktatoren, wie auch der Kolchose-Diktator Lukaschenko, stets beteuern, dass in ihren Gefilden soetwas wie die «Farbenrevolutionen» oder auch ein «Maidan» nicht möglich ist, und dann wachen genau die gleichen Autokraten und Diktatoren an einem schönen Augustmorgen auf und in Minsk wird demonstriert und man hört nicht auf zu demonstrieren, nur weil der Kolchose-Diktator es so will.

Es war von Anfang an auch Menschen wie mir klar, dass sich sowas wie der «Maidan» in der Ukraine und die «Rosenrevolution» in Georgien nicht eins zu eins in anderen Staaten des post-sowjetischen Raum passieren wird, unteranderem wegen kultureller und politischer Unterschiede in diesen Staaten. Ich habe oft ironisch dazu gesagt, dass es keinen «Maidan» in Russland geben wird, da auf Russisch das Wort für «Platz» «Ploshyd» ist und nur auf Ukrainisch «Platz» eben «Maidan» heisst. Aber dass diese Kombination von Korruption, Nepotismus, Rechtlosigkeit und fehlenden Menschen- und Bürgerrechten auch im post-sowjetischen Raum keine Zukunft hat, das war mir auch klar, und so ist die jetzige Situation in Belarus für mich alles andere als überraschend. Denn die Herrschaft des Kolchose-Diktators hat die Menschen zu lange ihrer Würde beraubt und mit seinem neuesten Coup, dem Raub der Wahl, hat er etwas ausgelöst, das schon zu lange am Gären war. Aber Lukaschenko hat seine Gegnerin, die Übersetzerin und Fremdsprachenlehrerin, Svetlana Tichanovskaya, die in westlichen Medien oft «nur» als Hausfrau dargestellt wird, aufgrund ihres Geschlechts unterschätzt und gedacht, dass diese klein beigeben wird. Sie hat es nicht getan, sie hat die Bürgerinnen und Bürger von Belarus vereinigt und gesiegt. Dies konnte das Fossil, der Kolchose-Diktator nicht akzeptieren, und die jetzige Situation mit den Massenprotesten ist das Ergebnis davon.

Statt einen ruhigen Lebensabend im russischen Exil zu verbringen wie Viktor Janukowitsch, hat Lukaschenko nun die Konfrontation gesucht. Die kann er nun haben und die Chancen stehen nicht schlecht, dass er diese Konfrontation verlieren wird. Dann wird er nicht nur sein Gesicht nicht wahren können und wie ein begossener Pudel vor Putin dastehen, er wird auch zahlreiche Menschen auf seinem (nicht vorhandenen) Gewissen haben.

Aber diese Verachtung für aller Menschenleben, ausser dem eigenen, ist unter vielen Autokraten und Diktatoren verbreitet. So war auch diese Entscheidung von Lukaschenko nicht überraschend für mich. Aber weder Lukaschenko noch Putin sind unbesiegbar oder unsterblich, und so ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie das Schicksal vieler Autokraten und Diktatoren ereilt: Entweder aus dem Amt gejagt zu werden und im Exil einen halbwegs ruhigen Lebensabend zu verleben oder vom eigenen Volk gehängt zu werden, wie dies zum Beispiel mit Saddam Hussein getan wurde, oder sie das zeitliche segnet. Dies gilt auch für den post-sowjetischen Raum im Allgemeinen und für Belarus im Besonderen. Somit werden auch im post-sowjetischen Raum eines Tages in nicht allzuferner Zukunft Rechtsstaatlichkeit und Menschen- und Bürgerrechte ein unumstösslicher Fakt sein.

Daran kann auch das letzte Aufbegehren der Apparatschiki wie jetzt in Belarus nichts ändern. Denn im post-sowjetischen Raum sind nicht nur Autokraten, Diktatoren und Opportunisten zu Hause, sondern auch und gerade Menschen wie Svetlana Tichanovskaya und die Menschen, die sie gewählt haben und nun dafür auf die Strasse gehen, damit ihre Stimme zählt und Demoktratie über Tyrannei gewinnt und eine gebildete Frau und Mutter den Kolchose-Diktator Lukaschenko als Präsidentin von Belarus ablösen kann und damit dieses Land zwischen Polen und Belarus in eine bessere Zukunft führen kann.

Genau deshalb wäre es notwendig, dass zivilisierte Staaten jetzt die Sanktionen des «Magnitsky Acts» auf Belarus ausweiten und aufhören, den Kolchose-Diktator Lukaschenko zu hofieren. Damit die Menschen in Belarus in den Genuss eines demokratischen Rechtsstaates kommen.

 

*Ich habe mütterlicherseits ukrainisch-jüdische und georgisch-mingrelische Wurzeln.

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