Meine two-cents zur „General Assembly“ von und mit Milo Rau

Liebe Ladies und Fellas

Meiner Ansicht nach wird Kunst dann übel, wenn sich Künstler Erstens nur dem Eskapismus hingeben und alles Übel der Welt um sich herum ignorieren, denn Kunst an sich ist nie unpolitisch. Das andere Extrem, wenn sich Künstler als Retter der Welt aufspielen, ist allerdings genau so schlimm, wie das Erste.

Letzteres passiert gerade in Berlin, an der Schaubühne, wo Milo Rau die „General Assembly“ ein Art Weltregierung, oder Weltrat der Abgehängten inszeniert. Eine Inszenierung des Elends quasi, welches tatsächlich vorhanden ist. Nur was an der „General Assembly“ abging war nur noch bizarrer Regress. Mir, wie jedem vernunftbegabtem Menschen, ist bewusst, das die Welt nicht in einem Theater in Berlin gerettet werden kann, schon gar nicht mit den üblichen Anti-Imp-Slogans, welche nach zwanzig-dreissig Jahren noch ausgelutschter sind, als der Schwanz eines Provinzzuhälters. Das hinderte Milo Rau und verschiedene Teilnehmer trotzdem nicht daran, möglichst alles zu machen für möglichst viel Publicity. Zum Beispiel wurde dort der Genozid an den Armeniern geleugnet. Die Veranstaltung war also krude bis zur Schmerzgrenze eines vernunftbegabten Menschen und darüber hinaus.

Aber selbst hinderte seriöse Forscher, oder zumindest Personen, welche sich für seriöse Forscher halten, nicht daran teilzunehmen. Zum Beispiel Ulrike Guérot: Frau Guérot ist „Demokratie-Forscherin“ und fühlt sich deshalb legitimiert Teile West-Polen an die Region Berlin-Brandenburg anzukoppeln und Statements von sich zu geben, die sich nur in Nuancen von denen unterscheiden, was man so von sogenannten „Reichsbürgern“ hört. Als Beispiel sei hier Folgendes genannt: „Die als „politische Beobachterin“ nominierte Politikwissenschaftlerin Ulrike Guérot pflichtete ihm bei: Die Vorstellung, „das Volk“ sei der legitime Souverän, sei schon immer eine Fiktion gewesen. Wenn es im globalen Zeitalter noch eine legitimierende Instanz geben sollte, dann wäre es die Menschlichkeit an sich als regulative Idee.“ Ganz ehrlich, ich finde es komplett irre, wenn Menschen, welche in einem demokratischen Rechtsstaat, mit vollen Bürgerrechten leben, solchen Unsinn verzapfen, das angeblich das Volk, das oberste Souvären in praktisch allen funktionierenden Rechtsstaaten, keine Macht besitzt.

Summa summarum: Diese Veranstaltung war eine Kultivierung des Elends & des Regresses, mit den immergleichen, ausgelutschten Slogans, welche nahe am Wahnsinn angesiedelt sind. Die eigentliche Schande daran, war allerdings, das sich Forscher für diesen Unsinn zur Verfügung gestellt haben.

Eine Replik auf die „Kolumne Habibitus: Deutsche, schafft euch ab!“

Liebe Ladies und Fellas

Vor einigen Tagen schrieb ich über die bizarre Debatte um islamische Fest- und Feiertage in Deutschland und Europa. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch nicht die Kolumne „Habibitus: Deutsche, schafft euch ab!“ von Hengameh Yaghoobifarah gelesen. Als ich dies vor einigen Stunden getan habe, wurde ich fast vom Schlag getroffen. Mit dieser Kolumne erweist Hengmaneh Yaghoobifarah allen nicht-christlichen Menschen mit Migrationshintergrund einen Bärendienst!!! Nochmals zum mitschreiben, bevor mich ein LGBTI-Subjekt aus dem Land der Arier versucht als Kartoffel oder sonstwas zu beschimpfen: Ich bin keine Deutsche, lebe auch nicht in Deutschland, bin weder Christin noch Muslima, sondern eine bisexuelle Jüdin mit Migrationshintergrund.

Genau wegen meinem Hintergrund, wegen meiner Geschichte, finde ich Subjekte wie Hengameh Yaghoobifarah so widerlich. H.Y. definiert sich als queer, aber anstatt ihre vorhandenen Ressourcen dazu zu nutzen die Rechte von LGBTI- und anderen Minderheiten im Land ihrer Vorfahren, dem Iran, zu stärken, beschimpft sie lieber Menschen, die aus diesen oder jenen Gründen gegen islamische Feiertage in Deutschland und/ oder Europa sind.

In der Islamischen Republik Iran werden queere Menschen an Baukränen aufgehängt, aber das kümmert Hengameh Yaghoobifarah nicht. Sie strahlt den Geist der regressiven Linken mit der einhergehenden Selbstgerechtigkeit aus, dabei sollte sie sich lieber in Demut üben und Geschichte lernen, anstatt an ihrem Opfermythos zu basteln. Denn Hengameh Yaghoobifarah hat iranische Wurzeln und der Iran ist der Rechtsnachfolger der persischen Imperien und wie historisch versierte Menschen wissen, wurde die Glorie der Perserreiche, besonders unter den Safaviden und Qajaren mit dem Blut der Völker des Kaukasus geschrieben. Im Jahre 1225 fiel Jalal ad Din in Tblisi/ Georgien ein und massakrierte jene Georgier, welche nicht bereit waren über ihre Ikonen zu laufen* und zum Islam zu konvertieren. Chronisten nach starben hunderttausende Georgier, weil sie sich weigerten dem Aufruf der Konversion Folge zu leisten. Nach dem Aufstand von Bakhtrioni, im Jahre 1659, massakrierten die persischen Invasoren georgische Zivilisten und Rebellen gleichermassen und verschleppten Tausende von Menschen, als Sklaven, nach Isfahan, wo die Georgier die Allahverdie-Khan-Brücke bauen mussten. Die Todesstrafe und Sklaverei wurde in Georgien im 12. Jahrhundert unter Königin Tamar abgeschafft. Persische Invasoren brachten die Sklaverei und den Tod zurück nach Georgien. Mehr Imperialismus und Chauvinismus geht kaum!!!

Als Jüdin finde ich es widerlich, wenn man wegen Petitessen an einem Opfermythos rumbastelt, als Georgierin finde ich, das Hengameh Yaghoobifarah zuerst die Geschichte ihrer eigenen Heimat aufarbeiten muss, bevor sie andere Leute mit verbalem Dreck bewirft und als bisexuelle Frau, ist es meine Ansicht, das die Leben von LGBTI-Menschen in der Islamischen Republik Iran mehr Aufmerksamkeit bedurfen, denn ob man Eid Al-Ghorban in Deutschland oder sonstwo feiern soll. Aber hey, im Gegensatz zu Hengameh Yaghoobifarah liegen mir die Rechte von LGBTI und Frauen am Herzen.

 

*So wie heute, in der islamischen Republik israelische und amerikanische Flaggen als „Fussabtreter“ fungieren, so benutzte Jalal ad Din orthodoxe Ikonen als „Fussabtreter“, um die Einwohner von Tblisi zu demütigen und sie zur Konversion zu zwingen.